Aktuelle Projekte

Leitenfeldstraße, Prittriching

Mitte August begannen die archäologischen Voruntersuchungen für das Baugebiet an der Leitenfeldstraße in Prittriching durch die Archbau unter der Leitung von Peter Priadka. Beim Oberbodenabtrag kamen statt der erwarteten bronzezeitlichen Siedlungsreste überraschend drei runde Keramikbrennöfen und ein langrechteckiger Ziegelbrennofen mit verschiedenen Ausbauphasen zum Vorschein. Diese sind aus wieder verwendeten römischen Ziegeln aufgebaut, die vermutlich aus einer benachbarten römischen Villa rustica stammen. Die Brennöfen besitzen jeweils vorgelagerte Befeuerungskammern. Besonders der insgesamt fast 10 Meter lange Ziegelbrennofen stellt eine archäologische Besonderheit dar, denn Öfen dieser Bauart und Zeitstellung sind bisher sehr selten. Auch der Erhaltungszustand der Brennanlagen ist außergewöhnlich. Wie so häufig wurde nur wenig Keramik aus dem Umfeld der Öfen geborgen. In Prittriching handelt es sich dabei um sogenannte Drehscheibenkeramik mit Stempelverzierung, die wohl in die Spätantike (4./5. Jh. n. Chr.) zu datieren ist.

Neben den Öfen wurden auch einige wenige Pfostenstellungen und  das kopflose Skelett eines Pferds geborgen. Weitere Erkenntnisse wie das genaue Alter der Öfen werden erst die an die Grabungskampagne anschließenden Nachuntersuchungen ergeben.

Da der Rest der Baufläche keine weiteren archäologisch relevanten Funde mehr beinhaltet kann nun parallel zu den Grabungsarbeiten mit der Bauplanung fortgefahren werden.

 

Ausgrabungen entlang der B 252 in Nordhessen

Derzeit ist der Verkehrsbetrieb HessenMobil mit dem Ausbau der B 252 als überregionale Straßenverbindung im Landkreis Marburg-Biedenkopf befasst. Die geplanten Streckführungen tangieren alte Siedlungskammern und bieten für die Archäologie die Möglichkeit einen Einblick in die Kulturgeschichte Nordhessen zu bekommen.

Von Juni bis August 2016 konnte der ca. 4,5 km lange Trassenabschnitt der Ortsumfahrung Mühlhausen-Wetter-Lahntal durch Mitarbeiter der Fachfirma ARCHBAU unter der Leitung von Peter Motsch M.A. begleitet und archäologisch untersucht werden. Eine Voruntersuchung des Baggerplanums war vorab während des Oberbodenabtrags durch Mitarbeiter des Vereins Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie e.V. der Universität Marburg erfolgt. Dabei wurden im betroffenen Trassenabschnitt drei eisenzeitlichen Fundstellen erkannt und markiert, die anschließend Von Peter Motsch und dessen Team vollständig archäologisch untersucht und dokumentiert wurden. Im Wesentlichen handelte es sich dabei um Vorratsgruben und Pfostenstellungen ehemaliger Gebäude in Holz- oder Fachwerkbauweise. Markant war die Spuren zweier größerer Gebäude, die von einem ovalen Graben mit einem Durchmesser von über 20 Metern umwehrt waren. Die Auswertung der Befunde und Funde ist derzeit noch nicht abgeschlossen, so dass eine abschließende Interpretation der Fundstellen noch aussteht. Das Fundinventar, hauptsächlich Fragmente von Tongefäßen, deutet darauf hin, dass der beeindruckende Siedlungsplatz ebenfalls aus der mittleren bis späten Eisenzeit stammt.

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Eisenzeitliche Gebäudestruktur mit Grabenunwehrung. Foto P. Motsch, Archbau.

 

 

Freilegung der Stadtmauer in Mettmann 2015-2016

Seit Frühjahr 2015 werden in Teilen der Mettmanner Innenstadt unterirdisch gelegene Leitungen und Kanäle ausgetauscht sowie die Pflaster erneuert. Da dieser Bereich (Altstadt) seit 2008 als eingetragenes Bodendenkmal besonderen Schutz genießt, werden die Bauarbeiten durch unsere Mitarbeiter begleitet.

Im Zuge der Eingriffe sind im August 2015 in der Neanderstraße (nahe Lavalplatz / Mittelstraße) in acht Meter Länge die etwa Ost-West ausgerichteten Reste der ehemaligen Stadtmauer zum Vorschein gekommen. Am 11. und 12. Januar 2016 sind in der Freiheitstraße bei der Aushebung von Schächten für Baumscheiben in vier Fällen erneut Reste der Stadtmauer (je 2 Meter lange Stücke) aufgedeckt worden. Der Verlauf der ehemaligen Befestigung konnte hier insgesamt auf 23 m wahrscheinlich gemacht werden. Strukturell sind diese Mauerfragmente mit dem in der Neanderstraße identisch, jedoch waren hier noch die äußeren Kantensteine vorhanden.

Die Stadtmauer wurde in sog. Zweischalentechnik errichtet, d. h. zunächst wurden – wie der Name auch sagt – zwei Mauerschalen geschaffen und dann ist der Zwischenraum verfüllt worden. Bezüglich der Datierung der Mettmanner Stadtmauer ist eine Urkunde aus dem Jahr 1424 bedeutend, die nicht nur die bereits vorhandene Befestigung, also Mauer, Graben und wohl auch einen Wall erwähnt, sondern auch die Erhaltung und Renovierung bereits im Verfall begriffener Teile einfordert. Demnach erfolgte die Errichtung offenbar im 13.-14. Jh. oder eventuell noch früher.

Es ist zwar bekannt gewesen, dass das mittelalterliche Mettmann eine Stadtmauer besaß, aber die genaue Lage der Umwehrung war in Vergessenheit geraten. Nach den Entdeckungen 2015-2016 kann ein großer Teil des südlichen Verlaufs als gesichert gelten.

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Deichprojekt Rees -Emmerich

Der Deichverband Bislich-Landesgrenze plant eine Deichsanierung im Abschnitt Rees-Löwenberg. Der Bestandsdeich soll hierbei und an gleicher Stelle neu aufgebaut werden. Dadurch wurde die bauvorgreifende archäologische Aufnahme des Bestandsdeichs zwischen Rees und Bienen notwendig. Im Oktober und November 2015 wurden vier Stellen für Querprofile festgelegt, an denen der Deich mit zwei Kettenbaggern (44t und 24t) auf einer Breite von oben etwa 12m und am Fuß etwa 4m bis zum anstehenden Boden abgegraben wurde.
Anhand der Profile konnte der Aufbau des Deiches dokumentiert werden. Wohl die Oberkante des Altdeiches aus dem Mittelalter bzw. der frühen Neuzeit kennzeichnete meist eine hellgraue bis graublaue tonige Schicht, über der in regelmäßigen Abständen eine Kies- bzw. Kies-Ziegel-Schicht folgte (Aufschüttungen bis 1958). An der Mühle Rosau ließ sich des Weiteren die alte Deichstraße nachweisen. Die Deichsohle wurde bei einer Tiefe von 600cm bis 650cm erreicht, der Altdeich – an drei Schnitten erkennbar – hatte eine ungefähre Höhe von 350cm bis 450cm.
Auffällig ist, dass bei vier durchgeführten Schnitten in zwei Fällen ein komplettes Tierskelett stets in der Deichsohle bzw. dem anstehenden Boden zu Tage kam. Ob es sich um Tiere handelt, die an einer Krankheit gestorben sind und dort verscharrt wurden oder ob es aber einen anderen Beweggrund für die Einbringung der Kadaver gab, ist unklar.

Julia Ricken
29.01.2016

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Grabung in der niederrheinischen Gemeinde Alpen

Seit Mitte vergangenen Jahres findet in Alpen auf dem Plangrund des Bebauungsplanes 73 „Alpen-Ost“ eine archäologische Ausgrabung statt. Im Zuge dieser Maßnahme konnte bis heute eine Fläche von ca. 1,5 ha untersucht werden. Hierbei konnten die Reste eines Siedlungsplatzes aufgedeckt werden, der mit Sicherheit in der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. genutzt wurde. Es wurden allerdings auch vereinzelte Befunde und Funde aufgedeckt, die in die vorrömische Eisen- und in einigen Fällen sogar bis in die Bronzezeit zurückzudatieren sind. Es ist aber noch zu früh eine Siedlungskontinuität an diesem Platz zu postulieren.

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Archäologische Untersuchungen an der A40

Seit Mai 2014 finden in Dortmund-Oespel unmittelbar neben der Autobahn A40 bauvorgreifende archäologische Untersuchungen statt. Das etwa 50.000m² große Areal gehört zu einer alten Siedlungskammer am Hellweg, die im Bereich der Lößbörde liegt und aufgrund ihrer fruchtbaren Böden immer wieder vom Menschen aufgesucht wurde.
So konnten bei den Ausgrabungen Befunde verschiedener Epochen aufgedeckt werden: neben frühmittelalterlichen Grubenmeilern, einem metallzeitlichen Brandgräberfeld und einer Eisenzeitlichen Siedlung wurde bisher ebenfalls eine neolithische Siedlung angeschnitten.
Bemerkenswert ist hier die nahezu komplette Erhaltung zweier Langhäuser unterschiedlicher Bauschemata. Während das eine Gebäude einen eher bootsförmigen Umriss mit dichter Stellung von Außenpfosten, den Innenraum gliedernden Dreipfostenstellungen und einer Verstärkung der nordwestlichen Schmalseite durch Wandgräbchen besitzt, besteht der andere Bau aus den in Form eines länglichen Trapezes gesetzten, dichten Außenpfosten mit auf längeren Strecken begleitenden Wandgräbchen. Neben den Häusern wurden diverse große Siedlungsgruben freigelegt. Die sich berührenden Hausgrundrisse sowie mehrfache Überschneidungen von und mit Gruben weisen auf eine Mehrphasigkeit der Siedlung hin. Das aus den Gruben geborgene Fundmaterial ist charakteristisch für die Rössener Phase des Neolithikums (5. Jahrtausend v. Chr.).

Foto: Blick Richtung Osten über die Langhäuser neben der Autobahn.

 

Neugestaltung des Hauptplatzes in Landsberg am Lech

Beauftragt durch die Stadt Landsberg am Lech führt Archbau Bayern seit dem März 2012 in Landsberg am Lech Untersuchungen durch. Die Grabung ist baubegleitend zur Umgestaltung/Neugestaltung des Hauptplatzes in Landsberg am Lech. Der mittelalterliche Hauptplatz ist mit Barockbebauung umgeben. Auf dem Foto ist eine hochmittelalterliche Kulturschicht mit den Folgen eines Stadtbrandes aus der Mitte des 14.Jh. zu sehen, zudem eine Wegführung und Reste des mittelalterlichen Rathauses.

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2013/2014 untersuchte Archbau Bayern beauftragt durch das staatliche Bauamt Krumbach die für den Bau der Ba6 OU Dillingen an der Donau benötigen Flächen. Bisher traten hier vor allem Siedlungsbefunde des Neolithikums und der Bronzezeit auf (Fotos mit Schlitzgruben). Zudem gab es eisenzeitliche Siedlungsspuren, vermutlich römerzeitliche Urnenbestattungen sowie ein Urnengräberfeld mit Kreisgräben um die Urnenbestattungen. Eine genaue Datierung ist leider erst nach der Analyse der ergrabenen Funde möglich.

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